Growing around grief (1/2) - “Gewebe”

war das Thema unseres diesjährigen VIVAS-Klausur-Wochenendes.


Drei Tage lang haben wir miteinander gelebt, gesprochen, zugehört und geschwiegen.
Wir haben Erinnerungen geteilt, alte Melodien gesungen und Erfahrungen ausgetauscht.
Menschen, die schwere Trauer erleben, brauchen solche Räume, in denen sie Berührung zulassen können.
Genau das ist in diesen Tagen geschehen.

Bilder: © Stefan Philipps

 

Trauer ist da, wo Menschen tief miteinander verbunden waren und sind.
Wo Liebe getragen hat, schmerzt der Verlust.
Der tiefe Schmerz in der Trauer erzählt deshalb immer auch von der Größe der Beziehung.


Aus diesem Grund geht es bei Trauer auch immer um Beziehung. Der Tod beendet das Leben eines Menschen. Die Beziehung endet nicht. Sie verändert sich. Und genau darin liegt eine der größten Herausforderungen im Trauer-Erleben.

Das Bild von Growing Around Grief beschreibt diesen Weg auf eine berührende Weise.

Trauer wird nicht kleiner.

Das Leben webt sich weiter.
Wie ein großer Teppich.

Die dunklen Fäden der Trauer bleiben sichtbar. Sie werden nicht herausgetrennt.
Niemand kann sie durch eine andere Farbe ersetzen.

Doch mit der Zeit kommen neue Fäden hinzu.
Begegnungen.
Erinnerungen.
Freundschaften.
Staunen.
Lachen.
Stille.
Neue Aufgaben.

Der Teppich wird größer.
Die Trauer bleibt Teil seines Musters.

Das ist bisweilen schwer auszuhalten. Denn jeder neue Faden kann den Eindruck erwecken, als entferne man sich im Wachsen von dem geliebten Menschen. Wir Trauernde kennen diesen inneren Widerstand, die Sorge vor einem „erneuten Verlust-Erleben“. Wir möchten der Trauer treu bleiben, weil wir der Liebe verlässlich nah sein wollen.

Liebe will keine Erstarrung.

Sie findet ihren Platz im Gewebe des Lebens.

Nicht als Fremdkörper.
Nicht als Störung.
Sondern als einer der Fäden,
die das Leben für immer mitgestalten.

Die dunklen Fäden tragen den Teppich nicht allein.
Sie werden von etwas Größerem gehalten.
Das Leben wächst nicht nur um die Trauer herum.
Es webt die Trauer in seine ureigene Geschichte mit ein.

Die Trauer verschwindet nicht.
Sie bleibt Teil unserer Geschichte.
Doch sie ist nicht mehr die ganze Geschichte.

 
 
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