39+52 = 200
Eine besondere Summe!
Andere Veranstalter hätten das Konzert wegen einer verhältnismäßig geringen Anmeldezahl an diesen Abend, am 19.07.2026, vielleicht abgesagt. Aber nicht VIVAS. Und dann waren es doch 52 TeilnehmerInnen!
Es wurde ein unglaublich emotionaler Abend: Eine Begegnung direkt aus der Mitte von Trauernden. Mit dabei war auch Uli – als aktiver Teil von VIVAS und als leidenschaftliches Chormitglied der Velvet Voices.
Bilder: © Velvet Voices
Wir waren 37 Velvet Voices ChorsängerInnen, begleitet von ihrer Dirigentin Kathrin Geyh und ihrem Pianisten Maksim Liakh und wir waren 52 TeilnehmerInnen in der Friedenskirche Gräfelfing mit 200 Sitzplätzen.
Jeder im Raum – ob auf der Bühne oder im Publikum – war mit seinen Gefühlen und seiner Anspannung da. Viele trugen ihren Verstorbenen im Herzen, wohl wissend, dass jeder kommende Ton ungefilterte, emotionale Wellen schlagen würde. Und genau das passierte: in einer Kirche, die sich anfühlte wie mit einem Publikum von 200+ Menschen, erfüllt vom Klang eines wunderbaren Chors!
Die Velvet Voices sangen mit voller Kraft. Auf das emotionale Schweigen und die tiefe Berührtheit folgte ein unglaublicher Applaus, eingebettet in die persönlichen Worte von Uli:
“Als David mich vor einiger Zeit gefragt hat, ob ich mir vorstellen könne, mit den Velvet Voices, dem Chor, in dem ich singe, auch einmal für VIVAS aufzutreten, da hat mein Herz gleich ganz laut Ja gerufen.
Auf sein Herz zu hören, ist meistens eine gute Entscheidung. Und trotzdem – als sich gleich darauf mein Verstand gemeldet hat, wurde es mir doch ziemlich flau um das eben noch so entschlossene Herz.
„Uli“, protestierte der Verstand, „Bist du verrückt? Ich weiß ja, wie gern du singst, aber du hast vor knapp 2 Jahren deinen Sohn Johannes verloren, und singen, noch dazu in diesem Kontext, dass weißt du doch, dass kann sehr emotional und sehr schmerzhaft werden. Auch wenn bei VIVAS die Angebote oft von den selbst Betroffenen gestaltet werden, dein Platz ist auf der anderen Seite – auf der Zuschauerseite.“
Ja, auch ich bin ein Survivor, eine Überlebende maximalen Unglücks. Einem Survivor wurde jeglicher Boden unter den Füßen weggerissen, und so fällt es im Vergleich zum früheren Leben oft deutlich schwerer, sich immer wiederkehrenden Entscheidungen zu stellen:
Einen Schritt vor oder doch lieber einen Schritt zurück
Sich öffnen oder lieber den Rückzug antreten
Auf das Herz hören oder auf den Verstand
Ihr seht, heute hat bei mir das Herz gewonnen. Und so stehe ich hier, an der Seite meiner Freunde und Kollegen von Velvet Voices.
Velvet Voices, das war von Anfang an ein Schutzraum für mich, ein Ort, an dem ich mich mitsamt meiner Trauer zuhause und getröstet fühlen kann. Wo es immer ein offenes Ohr für mich gibt, eine Hand, die meine hält, eine Umarmung, ein Taschentuch. Und gleichzeitig ist da auch immer ganz viel Platz für Freude, für Spaß, für Lachen.
Bei Vivas ist das ganz genauso.
Für beides bin ich unendlich dankbar, und so schließt sich für mich heute ein Kreis: ich darf singen, mit wunderbaren Menschen für wunderbare Menschen.
Singen und Musik, das ist Medizin für die Seele.”
Bilder: © Velvet Voices
Eineinhalb Stunden lang schenkten uns die Velvet Voices ihre fantastischen Stimmen. Und Kathrin, die Chorleiterin, nahm uns alle – Chor und Publikum – mit in dieses sehr schöne Shanty – ein Seemannslied, das wir gemeinschaftlich in Summe von 200+ sangen und das wahrscheinlich jeden auf seinem Heimweg begleitete.
Bilder: © Velvet Voices
Mit herzlichem Dank an jedes einzelne Chormitglied der Velvet Voices!