“Der Rest ist Schweigen”
“Hamnet” – eine persönliche Filmrezension
“Ein Film, der zeigt, wie universell und zeitlos unsere elementaren Gefühle sind, ob um 1600 oder heute.” [Birgit Kröniger]
Bild: © Doreen Zimmermann
Natürlich ... jeder kennt Shakespeare und jeder kennt Shakespeares Hamlet, ... die Schule sorgt zum Glück dafür.
"Hamlet" ist ein Schauspiel, das William Shakespeare etwa um 1600 vollendete, wenige Jahre nach dem Tod seines Sohnes. Es geht auf eine mittelalterliche, nordische Erzählung, ein tödliches Intrigenspiel zurück, in dem der dänische Prinz Hamlet den Mord an seinem Vater rächen will.
Es soll an dieser Stelle aber nicht um einen literarischen Exkurs gehen, sondern um die Verbindung zwischen dem Theaterstück "Hamlet" und dem Film "Hamnet" aus dem Jahr 2025.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Maggie O’Farrell erzählt die Regisseurin Chloé Zhao darin von William Shakespeare und seiner Ehefrau Agnes, wie sie beide mit dem Verlust ihres Sohnes Hamnet umgehen und mit diesem zu kämpfen haben. Agnes wirft William vor, beim Tod ihres Sohnes nicht dabei gewesen zu sein. William flüchtet sich in Arbeit, schreibt sein Theaterstück "Hamlet". Nach einer Zeit der eigenen Wege sieht Agnes das Theaterstück und beginnt in dessen Verlauf zu verstehen, dass William mit "Hamlet" auf seine eigene Weise Hamnets Tod verarbeitet.
Der Film verwebt historische Fakten mit fiktionalen Elementen auf eine schauspielerisch, bildlich und emotional beeindruckende Weise. Er lebt von der Authentizität unserer Urgefühle.
Es geht um Liebe, Geburt, Sterben und Weiterleben – eingebettet in kraftvolle, beruhigende Farben der Natur und mit stillen Momenten auf jeder dieser Ebenen. Ebenen, die uns allen mehr als nur vertraut sind. Momente der Geborgenheit, des Lebens, des Kampfes um das Leben, des Todes, der Trauerbewältigung - im Film konkret in der Familie und zwischen Mann und Frau.
Wichtig ist zu wissen, dass der Film nicht nur den Schmerz der Trauer, sondern auch das Sterben selbst ungeschönt und in seiner ganzen Härte darstellt.
Dennoch oder vielleicht deshalb ist die Umsetzung von "Hamnet" für mich überwältigend lebensnah. "Reduziert" auf unsere großen Gefühle, berührt er (ur)eigene, ehrliche Tränen. Bis in die kleinste Faser dringen die farbkräftige Natur, die leeren Räume, die Nahaufnahmen und die Entwicklung der Ereignisse in unser eigenes Erleben ein – ein Empfinden und eine Begegnung mit der eigenen, emotionalen Verwurzelung.
"Der Rest ist Schweigen." [Zitat aus Hamlet]
Ich habe “Hamnet” gemeinsam mit meinem Mann im Kino angesehen. Nach dem Film haben wir geschwiegen, ganz laut, gut eine Stunde, beide im eigenen Gefühl! Beide im Sein oder Nichtsein, das war hier keine Frage!
Bild: © Doreen Zimmermann