Annäherung an den Umgang mit der Lücke

Bild: © Karin Lomi_Granparapiso-hole

Die Lücke ist da. Seit eineinhalb Jahren. Und sie wird bleiben. Seit dem Tod unseres Sohnes vor eineinhalb Jahren umkreise ich sie mit so viel Liebe ohne Resonanz, mit Sehnsucht nach unserem früheren Leben und auch nach meinem früheren Empfinden.

Ich merke, dass es diese Lücke auszuhalten braucht – Mut sie zu fühlen, zu sehen und trotzdem jeden Tag aufzustehen.

Bild: © Karin Lomi_Atlantik

Vorsichtig schieben sich gute Momente dazwischen. Augenblicke, in denen sich der blaue Himmel auch blau anfühlt.

Und ich begegne der Lücke anders – oder sie mir? Die Sehnsucht nach Leo bleibt. Aber manchmal tritt neben sie Dankbarkeit. Für das große Glück, das wir zusammen als Familie erleben durften. Und für die Menschen, die neu und teils ganz überraschend, mein Leben bereichern. Es gibt Momente, in denen ich ein Verlangen nach Freude spüre. Ein Gefühl, das ich sehr vermisse. Danach zu gestalten, das Leben nicht nur auszuhalten.

Freunde und Menschen bei VIVAS machen mir Mut, dass dies möglich ist. Es gibt keinen Weg, auf dem alles wieder gut ist. Das Teilen von Wegabschnitten macht den Verlust nicht kleiner. Geteilter Schmerz bleibt Schmerz. Doch es hilft, auch dort, wo der Schmerz spürbar ist, wieder etwas anderes in meinem Leben zuzulassen.

Bild: © Karin Lomi_Ruines

Vorsichtig biegt ein neues Gefühl um die Ecke: Neugier. Sie fühlt sich seltsam an, fast falsch. Neugier hat es sehr schwer neben Trauer.

Doch ich brauche sie, um hinzusehen, was die Trauer mit mir macht, wie sie mich verändert, und mich mit der Lücke leben lässt. Und dafür, welche Farbtöne das Leben vielleicht noch bereithält. Wohl wissend, wie schnell sich das Leben ändern kann.

Bild: © Karin Lomi_Granparadiso

 
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Growing around grief (2/2) - “Das Labyrinth”