Der Weg schiebt mit

Bild: © Karin Lomi

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ Dieses Kafka-Zitat war immer meine Antwort auf die Frage nach meinem Lebensmotto. In der Praxis kam die nüchterne Tatsache hinzu: Umwege erweitern die Ortskenntnis. Doch auch diese Geographen-Weisheit hatte ich bis zum Januar 2025 als Bereicherung empfunden.

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Seit dem Tod unseres Sohnes Leo ist das grundlegend anders. Mit voller Wucht ist ein Schlagbaum auf den Weg vor mir gedonnert. Bewegen? Gehen? Gar aufbrechen? Nein, aushalten.

Ich musste mich vergewissern, wie andere Eltern mit dieser Situation weiterleben. Auf der Suche bin ich früh zu einer Bergwanderung von VIVAS gegangen. Und ich habe eine Lebenszugewandtheit erlebt, die mir Mut gegeben hat. Menschen, die mit und neben mir gehen, bis die eigene Puste wieder reicht. Keine Abkürzungen versprechen, doch ihr Erfahrungswissen teilen. Die gemeinsam mit mir unterwegs sind, bis ich dem Boden wieder traue. Und darüber hinaus.

Bewegen und vorwärtsgehen heißt nicht, sich vom geliebten Menschen zu lösen, lerne ich. Mitnehmen und verbunden bleiben. Wie genau, zeigt sich unterwegs.

Freya von Stülpnagel formulierte bei einer Vivas-Veranstaltung „Der Weg schiebt sich unter deine Füße.“

Nicht auf jedem Streckenabschnitt, stelle ich fest. Doch er schiebt. Und auch dieser Weg entsteht nur, indem ich ihn gehe.

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Trotz Schmerz Glückseligkeit spüren