Man sieht nur mit dem Herzen gut

Bild: © Birgit Kröniger

 

Wer kennt es nicht, dieses berühmte Zitat aus dem „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry? In dem bezaubernden Buch geht es um die Essenz unseres Lebens, um Liebe und Beziehung. „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Diese Erkenntnis teilt der Fuchs mit dem kleinen Prinzen in der Wüste wie ein kostbares Geheimnis.

Wenn wir die Worte des Fuchses weiterdenken, treffen sie gerade auf uns Trauernde besonders zu. Denn unmittelbar mit unseren Augen sehen können wir unsere geliebten Verstorbenen nicht mehr. Und das tut unfassbar weh!

Zugleich tragen wir die, die wir so schmerzlich vermissen, tief in unseren Herzen. Und dort können wir sie sehen, mit all unserer Liebe und in all unserer Trauer. Aber einfach ist es nicht, das wissen wir alle.

Manchmal, mein geliebtes Kind, sehe ich dich fast gar nicht und erahne dich nur schemenhaft. Dann scheint dein Bild wie verschüttet unter meinem Schmerz. Und dann funkelt die Sonne auf dem Wasser und ich habe plötzlich dein Lächeln vor mir. Auf der verwitterten Bank sehe ich dich an deinem Lieblingsplatz sitzen und mit deiner Freundin lachen. Und das von der Sonne ausgeblichene Gras im Spätsommer erinnert mich jedes Jahr aufs Neue an die Farbe deiner langen Haare.

Und so berühren sie sich immer wieder, die äußere Welt und meine innere Welt, das Auge und das Herz. Und ich sehe dich, mit den Augen des Herzens.

Bei der Segnung im vergangenen Dezember haben wir in unserer Mitte die Namen unserer geliebten Verstorbenen aufleuchten lassen. Einen nach dem anderen. Gemeinsam haben wir ihre Namen nicht nur gesehen, sondern gehört.

Und auf jeder Kerze leuchtete neben den Namen Eurer Liebsten auch ein kleines Herz auf.

 
Weiter
Weiter

Wenn sich Türen wieder öffnen dürfen